Dankbarkeit ist ein wichtiger Aspekt von mehreren.
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AlleSeiten: Herr Barkow, welchen Einfluss hat Spiritualität aus Ihrer Sicht auf die körperliche Gesundheit? Meditation spielt in Ihrer Arbeit eine Rolle, und in der Schmerztherapie geht es auch um psychosomatische Fragen. Wo sehen Sie die Verbindung?
Dominik Barkow: Ich würde Spiritualität zunächst von Religion trennen. Unabhängig davon, ob jemand Christ, Buddhist, Muslim ist oder einer anderen Religion angehört, gibt es Dinge, die auch in Religionen regelmäßig praktiziert werden: Dankbarkeit, Achtsamkeit und Meditation als eine Art vorgelagerte Instanz. Modern würde man vielleicht von „Detox“ sprechen – also davon, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen.
Darunter würde ich auch das Thema Natur fassen. Wir tun heute manchmal so, als hätten wir die Natur gewissermaßen durchgespielt und bräuchten sie nicht mehr. Aber schon in einem einfachen Spaziergang steckt viel: das Grün sehen, sich bewegen. Wir wissen aus der Neurobiologie, dass auch das Vorbeigleiten der Umgebung in unserem peripheren Sichtfeld beim Spazierengehen viel mit uns macht.
Ich bin auch neurozentrierter Trainer. Interessanterweise können die Augen große Auswirkungen auf das Schmerzempfinden haben. Wir schauen beispielsweise sehr häufig auf einen Gegenstand, der nur 80 Zentimeter entfernt ist – so wie ich jetzt auf einen Bildschirm, der mir räumliche Tiefe suggeriert. Meine Augen wissen aber nicht, dass diese Tiefe nur suggeriert wird. Da gibt es viele Ansatzpunkte.
Früher wurde so etwas ein bisschen abgetan. Ich selbst habe anfangs damit gehadert und gedacht: Das ist doch spiritueller Quatsch. Aber inzwischen beschäftigt sich die Wissenschaft immer stärker mit genau diesen Themen. Wir wissen beispielsweise aus Untersuchungen zur Dankbarkeit, dass sich Dankbarkeit sogar positiv auf Entzündungsmarker auswirken kann – also auf Werte, die man im Blutbild schwarz auf weiß sehen kann.
Meditation ist für mich eine unglaublich gute Vorstufe für Achtsamkeit. Sie ist aus meiner Sicht wichtig, um das Nervensystem herunterzuregulieren. Das Nervensystem ist inzwischen fast ein Modewort, aber durchaus zu Recht ein großes Thema. Meditation ist für viele ein guter Einstieg, um zunächst einmal ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln.
Vielleicht merke ich dabei: Ich weiß nicht, wie ich meine Probleme angehen soll. Aber hier habe ich eine erste Stellschraube. Ich schaffe es nicht einmal, fünf Minuten still zu sitzen und mich auf eine Sache zu konzentrieren, weil ich gedanklich ständig abschweife. Im Alltag ist es häufig noch viel schwieriger, sich nicht ablenken zu lassen. Das ist dann Achtsamkeit: beim Kochen einmal keine Musik hören; im Gespräch wirklich zuhören, ohne sich schon währenddessen eine Meinung zurechtzulegen und die Antwort vorzubereiten; unter der Dusche stehen und tatsächlich nur das Duschen wahrnehmen.
Das klingt banal, ist aber vielen Menschen völlig abhandengekommen. Und es gibt offenbar viele Verknüpfungen mit dem Körpergefühl. Wenn ich mich ganz von mir selbst entkopple und nur im Außen lebe, verliere ich irgendwann die Innensicht. Aus meiner Sicht gibt es dafür inzwischen auch deutliche wissenschaftliche Evidenz am Menschen: Solche Vorgänge wirken sich auf viele Gesundheitsbereiche aus. Das ist wahrscheinlich einer der größten Hebel – und ich vermute, dass er gesellschaftlich noch wichtiger werden wird.
AlleSeiten: Ein Wort ist bisher noch nicht gefallen: Atmung. Welche Rolle spielt sie für Sie, sowohl im Zusammenhang mit Spiritualität als auch ganz allgemein für die körperliche Gesundheit?
Dominik Barkow: Eine ganz wichtige. Ich habe selbst mehrere Atemausbildungen gemacht. Man kann das zunächst belächeln und sagen: Atmen tue ich doch ohnehin. Das stimmt. Man kann 95 Jahre alt werden und bis zum letzten Atemzug niemals bewusst über die Atmung nachgedacht haben. Trotzdem ist sie – wenn wir Medikamente oder Drogen außen vor lassen – aus meiner Sicht der einzige direkte Zugang, über den wir unser vegetatives Nervensystem bewusst beeinflussen können.
Vielleicht ein kurzer Abriss: Wir haben im Nervensystem den sympathischen Modus, also den Stressmodus, den wir durchaus brauchen, und den parasympathischen Modus, den Entspannungsmodus. Der bringt uns wieder herunter. Beide sollten im Gleichklang sein, damit wir in einem ausgewogenen Verhältnis leben. Gesellschaftlich befinden wir uns aber tendenziell sehr häufig im Stress- beziehungsweise Sympathikusmodus.
Dann laufen viele Dinge autonom ab, um uns zu schützen: Wir fangen an zu schwitzen, die Muskulatur spannt sich für Kampf oder Flucht an, die Augen reagieren anders. Auch die Insulinausschüttung, unser Lust- und Sexualempfinden sowie die Verdauung verändern sich; das Verdauungssystem wird herunterreguliert. Und automatisch verändert sich die Atmung. Unter Stress atmen wir tendenziell schneller, häufiger durch den Mund und stärker in den Brustkorb. Auch durch Sport können wir diesen Stressmodus hervorrufen.
Umgekehrt kann ich bewusst über die Nase und in den Bauch atmen, langsamer atmen und länger aus- als einatmen. Dann bin ich deutlich entspannter. Das ist ein Rückkopplungsmechanismus: Nicht nur lässt mich Stress anders atmen; wenn ich stressiger atme, kann ich auch in den Stressmodus geraten. Und wenn ich langsamer atme, kann ich es schaffen, über mein vegetatives Nervensystem wieder herunterzufahren.
Die anderen autonomen Reaktionen kann ich nicht einfach auf Zuruf steuern. Ich kann meinem Körper nicht sagen: Hör auf zu schwitzen. Ich kann nicht punktuell Lustempfinden oder Verdauung einschalten. Meine Atmung dagegen funktioniert einerseits automatisch, und andererseits kann ich sie selbst bewusst steuern. Darin liegt für mich ihre besondere Bedeutung.
AlleSeiten: Sie haben diese Zusammenhänge sehr anschaulich erklärt. Was hat sich in Ihrem eigenen Leben verändert, seit Sie sich mit Meditation und Atemübungen beschäftigen? Was könnten Menschen aus Ihrer Erfahrung daraus gewinnen?
Dominik Barkow: Meine eigene Geschichte ist stark davon geprägt. Ich hatte zehn Jahre lang Schmerzen und viele andere Symptome und bin nie so richtig auf einen grünen Zweig gekommen. Ich mache dem Gesundheitssystem gar keinen Vorwurf, aber ich bin dort gewissermaßen durchgerasselt, fühlte mich nicht ernst genommen und wurde vor allem symptomatisch behandelt. Ich dachte immer: Ich muss nur noch mehr Sport machen, mich noch mehr bewegen, dann wird es irgendwann funktionieren. Meditation, Atmung und ähnliche Themen habe ich damals komplett abgeblockt.
Irgendwann nahm mich ein Freund mit in ein buddhistisches Zentrum in Braunschweig. Ich bin atheistisch geprägt und dachte erst: Was soll ich denn da? Vielleicht bin ich dort gar nicht richtig. Die Aufgabe war, sich hinzusetzen und eine Stunde zu meditieren. Die Menschen links und rechts von mir schafften das offensichtlich. Für mich war es nach zwei Minuten die Hölle – die absolute Hölle. Ich konnte mich kaum länger als zwei Minuten auf irgendetwas konzentrieren, meine Schmerzen wurden schlimmer, ich wurde nervös. Nach fünf Minuten dachte ich, ich müsste aufstehen und gehen, weil ich es nicht mehr aushielt.
Danach fragte ich mich zum ersten Mal: Ist es sinnvoll, damit aufzuhören, nur weil du es noch nicht kannst? Oder wäre es sinnvoll, ein paar Minuten mit dir selbst klarzukommen, Symptome auszuhalten und zu lernen, deinen Geist und deine Gedanken zu fokussieren? Glücklicherweise habe ich mich für Letzteres entschieden.
Das war für mich der erste große Startschuss. Ich habe gemerkt, dass es noch ganz andere Dinge gibt, für die aus meiner Sicht auch sehr viel wissenschaftliche Evidenz vorliegt. Viele Menschen finden aber diesen ersten Zugang nicht. Das ist schade, denn gerade Menschen, die sich in einem Problemmodus befinden, brauchen häufig etwas, bei dem sie selbst mit anpacken können, ohne die Verantwortung abzugeben.
Und hier kann jeder anfangen. Jeder kann sich hinsetzen, hinlegen oder hinstellen. Jeder kann sich drei, vier oder fünf Minuten am Tag nehmen und sich von dieser Basis aus langsam hocharbeiten. Das würde ich jedem Menschen, der in einem Problemmodus steckt, wärmstens empfehlen, sofern er das nicht ohnehin schon tut.
AlleSeiten: Vielen, vielen Dank für diese Eindrücke zum Thema Spiritualität.
Ein Gespräch mit dem Schmerz-Coach und Gründer von MyBodyMind Dominik Barkow über Meditation, Achtsamkeit, Atmung und den Einfluss von Spiritualität auf die körperliche Gesundheit.
Barkow unterscheidet Spiritualität von Religion und sieht in Dankbarkeit, Meditation, Achtsamkeit und Naturerleben wichtige Anknüpfungspunkte für die Gesundheit.
Durch bewusstes Atmen lässt sich nach seiner Darstellung das vegetative Nervensystem beeinflussen; besonders die langsame Nasen- und Bauchatmung beschreibt er als Weg zur Entspannung.
Sein eigener Weg führte ihn nach zehn Jahren mit Schmerzen zur Meditation. Er empfiehlt, niedrigschwellig mit wenigen Minuten täglich zu beginnen.
Gründer & Coach MyBodyMind
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In China gibt es die Vorstellung des Körpers als Landschaft.
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AlleSeiten: Welchen Einfluss hat Spiritualität auf die körperliche Gesundheit? Diese Frage könnte man einem Arzt, einem chinesischen Arzt oder einem Psychologen stellen. Ich stelle sie dir, weil du dich besonders mit der Kultur, Sprache, Religion und Spiritualität Chinas und Ostasiens beschäftigt hast. Ich glaube, dass dieser Blick die anderen Perspektiven spannend ergänzen kann.
Helwig Schmidt-Glintzer: Zunächst haben alle menschlichen Gesellschaften Erfahrungen im Umgang mit sich selbst, mit dem eigenen Körper und mit Krankheiten gesammelt. Damit waren sie auch in der Vergangenheit immer wieder erfolgreich.
Die naturwissenschaftlichen Errungenschaften der vergangenen hundertfünfzig, höchstens zweihundert Jahre waren ebenfalls sehr erfolgreich – denken wir an die Entwicklung von Medikamenten wie Penicillin. Sie haben allerdings manchmal auch dazu geführt, dass bisheriges Erfahrungswissen und vertraute Formen des Umgangs mit sich selbst verschüttet wurden.
Das hängt auch mit wirtschaftlichen, kommerziellen und organisatorischen Strukturen zusammen. Zum Umgang mit sich selbst gehören naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Daneben gibt es aber eine lange Tradition, sich gewissermaßen mit sich selbst besser anzufreunden. Diese Tradition wird manchmal gefördert und manchmal verdrängt.
AlleSeiten: An welches überlieferte Wissen denkst du dabei?
Helwig Schmidt-Glintzer: Unsere Großmütter und Großväter, vielleicht besonders die Großmütter, waren oft sehr erfolgreich darin, Krankheiten zu behandeln. Dann kam der große Erfolg der modernen sogenannten Schulmedizin, gerade bei Infektionskrankheiten.
Dabei haben wir manches vergessen, was unsere Großmütter noch konnten: den Umgang mit warmen Wickeln, mit Wärme, mit Kälte und mit anderen Formen der Unterstützung. Auch in anderen Kulturen gibt es solches Wissen.
Das hängt zugleich mit einer bestimmten inneren Haltung zusammen, einem „Mindset“, wie man heute sagt. Je nachdem, welche Haltung man hat, geht man unterschiedlich mit Herausforderungen um.
AlleSeiten: Wo zeigt sich dieser Zusammenhang von Wissen, Haltung und Selbstpflege heute?
Helwig Schmidt-Glintzer: In unserer Gesellschaft ist das Wissen darüber gewachsen, was man beispielsweise bei bestimmten Rückenschmerzen sinnvollerweise tun kann, um sie wieder loszuwerden. Menschen lernen dazu. Sie treiben Sport, machen Gymnastik oder eignen sich Atemtechniken an. Solche Elemente gab es auch früher schon.
Das hat ebenfalls mit der geistigen Seite zu tun. Bei jeder Irritation einen Notarzt zu holen, ist eine mögliche Reaktion. Eine andere ist, zunächst einmal durchzuatmen. Hinzu kommen langfristige Fragen, etwa die Ernährung.
In den industrialisierten Gesellschaften ist deshalb auch die Suche nach Orientierung in anderen Traditionen stärker geworden: Was könnte in chinesischen Naturheilkunden hilfreich sein oder im indischen Ayurveda?
Man muss das nicht glorifizieren. Man sollte aber anerkennen, dass damit viel Erfahrungswissen und mögliche Lösungswege verbunden sind.
AlleSeiten: Welche Rolle spielt dabei unser Verständnis vom Menschen?
Helwig Schmidt-Glintzer: Wir sind uns selbst als Menschen noch immer weitgehend ein Rätsel. Auch in der Medizin: Wenn man genauer nachfragt, stochern professionelle Mediziner häufig im Nebel und gehen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum vor.
Die geistige Seite ist deshalb ein wichtiges Feld: Wie gehen wir mit uns selbst um, wie mit anderen? Das hat auch mit Nähe und Distanz zu tun.
Handauflegen und Berührung sind in körperlichen Krisensituationen oft von zentraler Bedeutung. Ebenso spielt unsere Vorstellungswelt eine Rolle. Nicht zufällig wird man bei manchen Behandlungen aufgefordert, sich eine grüne Landschaft vorzustellen oder einen Spaziergang im Wald. Schon sinkt der Blutdruck oder man wird deutlich ruhiger.
Diese Selbstpflege und Selbstbeeinflussung spielen für jeden Menschen eine wichtige Rolle, immer und alltäglich. Man kann das lernen und dabei eigene Ressourcen wieder aktivieren. Insofern besteht für mich ein ganz zentraler Zusammenhang zwischen Gesundheit, dem Umgang mit sich selbst und Spiritualität.
AlleSeiten: Bei uns an der Schule stand der lateinische Spruch „Mens sana in corpore sano“, den wir mit „In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist“ übersetzten. Gibt es dazu ein asiatisches oder chinesisches Gegenstück? Wie verhalten sich in China moderne und traditionelle Medizin zueinander, und welche Rolle spielt Meditation im Alltag?
Helwig Schmidt-Glintzer: Ich möchte zunächst nicht näher darauf eingehen, dass medizinische Richtungen manchmal auch etwas Ideologisches haben. Das gab und gibt es sowohl in China als auch in Indien.
Wenn man diese Ebene einmal abzieht, findet man dort ähnliches Wissen wie anderswo. Zugleich gibt es besondere Praktiken, die kulturell verankert sind. Ein Beispiel ist das, was hier als Tai-Chi bekannt ist: sehr alte Regeln für Bewegung, Haltung, Dehnung, Stillhalten, Anspannung und Entspannung. Sie sind im Grunde sehr plausibel und werden von vielen Menschen übernommen.
Es gibt also Techniken, die von einer Kultur in eine andere wandern können.
AlleSeiten: Welche weiteren kulturellen Praktiken verbinden Körperhaltung und geistige Konzentration?
Helwig Schmidt-Glintzer: Denken wir an das Schreiben mit Tusche, also mit diesem wässrigen schwarzen Stoff auf Papier. Dabei kultiviert man die eigene Körperhaltung und Körperbewegung im Schreiben. Es entstehen Rückkopplungen. Das sind Formen der Konzentrationsübung, die in China eine lange Tradition haben.
Wir haben irgendwann sogar den Füller durch Filzstift und Kugelschreiber ersetzt. Manche greifen dann doch wieder zu Wachsmalkreide oder Bleistift. Sie merken, dass Schreiben, Malen und Zeichnen mehr als eine Äußerung nach außen sind: Sie wirken auch auf uns selbst zurück.
AlleSeiten: Gibt es darüber hinaus andere Vorstellungen vom Körper, die für diesen Blick wichtig sind?
Helwig Schmidt-Glintzer: In China gibt es beispielsweise die Vorstellung, den Menschen als eine Art Organ zu betrachten und wie eine Landschaft darzustellen – mit Wechselwirkungen, unterschiedlichen Zirkulationen und Flüssigkeitskreisläufen.
Solche Vorstellungen haben auch in unserer Humanmedizin existiert. Zum Teil gehören sie aber nicht mehr zum Allgemeinwissen der Bevölkerung.
Die Frage ist immer: Inwieweit macht man dieses Wissen nutzbar, und inwieweit drängt man es zugunsten einer leichter durchsetzbaren Apparatemedizin zurück? Das ist ein Aushandlungsprozess und auch ein Konflikt, in dem wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen.
Ich glaube, dass China hier einige Traditionen bewahrt hat, vielleicht Indien noch mehr und ebenso andere Gesellschaften. Zugleich suchen auch diese Gesellschaften inzwischen weltweit nach Lösungen.
AlleSeiten: Welche religiösen und spirituellen Orientierungen begegnen dir dabei in China?
Helwig Schmidt-Glintzer: Es gibt in China viele Menschen, die den tibetischen Buddhismus als ihre zentrale Orientierungslehre betrachten. Das mag manche überraschen. Wenn man den Menschen näherkommt, merkt man jedoch, dass sie unterschiedliche Heilswege suchen.
Manche finden auch in christlichen Lehren und Heilsversprechen Unterstützung – mitunter mit großem Erfolg. Das ist insgesamt sehr vielfältig.
Wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass es bereits vor fünfhundert oder tausend Jahren in China, ebenso wie in anderen Teilen der Welt, konkurrierende Heilslehren gab. Die Frage ist dann, wer sie verwaltet, wer sie monopolisiert und in welchem Umfang sie unter den Menschen geteilt werden.
AlleSeiten: Was lässt sich aus dieser Vielfalt für unseren heutigen Umgang mit Gesundheit mitnehmen?
Helwig Schmidt-Glintzer: Das ist ein spannender Prozess, mit dem sich auch Kulturanthropologen und Medizinhistoriker beschäftigen. Vor dem Hintergrund dieses Wissens könnten wir neu darüber nachdenken, ob unser heutiges Medizinsystem tatsächlich in allen Fällen optimal aufgestellt ist.
AlleSeiten: Vielen Dank für das Gespräch.
Ein Gespräch mit Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, emeritierter Professor für Sinologie und ehemaliger Direktor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, über Spiritualität und körperliche Gesundheit, überliefertes Erfahrungswissen, chinesische Bewegungskünste und das Zusammenspiel von Körper und Geist.
Erfahrungswissen bewahren: Die Erfolge moderner Medizin sollten aus Schmidt-Glintzers Sicht den Blick auf überlieferte Formen der Selbstpflege offenlassen.
Körper und Geist zusammen betrachten: Bewegung, Atmung, Berührung und Konzentration gehören für ihn zu einem bewussten Umgang mit sich selbst.
Über Kulturgrenzen hinweg lernen: Chinesische, indische und andere Traditionen bieten Anregungen, die sich ohne Verklärung prüfen und nutzen lassen.
Professor emeritus der Sinologie und ehem. Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel
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Spiritualität und Yoga als Weg zu ganzheitlicher Gesundheit
- mit einem Blick auf Yoga und Yogaphilosophie -
Spiritualität ist ein Begriff, der sich nicht eindeutig festlegen lässt. Für manche bedeutet sie Religiosität, für andere eine innere Haltung, eine bewusste Verbindung zu sich selbst, zu anderen Menschen oder zu etwas Größerem. Spiritualität beginnt dort, wo wir innehalten und uns mit Sinnfragen beschäftigen: Wer bin ich? Was trägt mich? Wie möchte ich leben? Sie ist weniger eine feste Lehre oder einer bestimmten Tradition zuzuordnen, als vielmehr ein persönlicher Erfahrungsweg.
In meinem eigenen Leben habe ich erfahren, dass Spiritualität einen großen Einfluss auf meine körperliche Gesundheit hat. Sie hat meine Wahrnehmung von mir selbst und meinem Körper über die Jahre hinweg komplett verändert. Spiritualität erinnert mich daran ein kleiner Teil eines viel größeren Ganzen zu sein. Diese Erkenntnis wirkt auf mich sehr entlastend. Nicht alles liegt in meiner Verantwortung, nicht alles muss kontrolliert werden. Allein dieses Loslassen zeigt sich körperlich: weniger Anspannung im Körper, freierer Atem, mehr Ruhe im Geist.
Eine spirituelle Praxis, die diesen Zusammenhang besonders deutlich macht, ist Yoga. Yoga wird im Westen oft auf körperliche Übungen reduziert, doch in seiner ursprünglichen Philosophie ist es ein ganzheitlicher Weg. Das Wort „Yoga“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Verbindung“ oder „Vereinigung“ – die Verbindung von Körper, Geist und Bewusstsein. Die körperlichen Haltungen sind dabei nur ein Teil eines umfassenden Systems, das auf innere Klarheit, ethisches Handeln und geistige Ausrichtung abzielt.
Wer sich mit der Yogaphilosophie auseinandersetzt erfährt wie eng Spiritualität und Gesundheit miteinander verwoben sind. Durch bewusste Bewegung, Atemlenkung, Achtsamkeit und Meditation lernen wir, Spannungen im Körper wahrzunehmen und loszulassen. Stress, der sich oft unbemerkt in den Muskeln und im Atem festsetzt, kann so erfahren werden. Für mich ist Yoga zu einem Werkzeug geworden, um meinen Körper nicht als funktionierende Maschine zu betrachten, sondern als sensiblen Ausdruck meines inneren Zustands.
Spiritualität – und insbesondere Yoga – gibt uns konkrete Tools an die Hand, um mit stressigen Situationen besser umzugehen. Die bewusste Atmung wirkt direkt auf das autonome Nervensystem und kann den Körper aus dem permanenten Alarmzustand holen. Meditation und Achtsamkeit schulen den Geist darin, Gedanken, Muster und Prägungen wahrzunehmen, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen. Diese Fähigkeit hat einen enormen Einfluss auf die körperliche Gesundheit: weniger Stresshormone, besserer Schlaf, mehr Energie im Alltag.
Ein weiterer zentraler Aspekt der Yogaphilosophie ist die innere Haltung gegenüber dem Leben. Ein reflektierter Umgang mit sich selbst und anderen. Die Yogaphilosophie lädt dazu ein, freundlicher mit sich selbst umzugehen und den ständigen inneren Druck zu reduzieren. Diese Haltung wirkt nicht nur mental, sondern auch körperlich. Wer lernt, sich weniger zu verurteilen und mehr anzunehmen, schafft die Grundlage für Heilung – auf allen Ebenen. Und, etabliere ich einen liebevollen Umgang mit mir selbst, kann ich dies auch auf meine Beziehungen übertragen und bin so ein positives Beispiel für die Menschen, um mich herum.
Spiritualität hilft zudem, schwierige Lebensphasen neu einzuordnen. Yoga versteht Leid nicht als persönliches Versagen, sondern als Teil des menschlichen Daseins. Diese Perspektive kann entlastend wirken, besonders in Zeiten von Krankheit, Verlust oder Überforderung. Spirituelle Fragestellungen wie „Was darf ich gerade lernen?“ oder „Was unterstützt mich in diesem Moment?“ eröffnen neue Blickwinkel. Statt gegen das Leben zu kämpfen, entsteht die Möglichkeit, mit ihm zu arbeiten. Diese innere Ausrichtung wirkt stabilisierend und kann körperliche Symptome lindern oder ihnen vorbeugen.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich außerdem intensiv mit dem philosophischen Aspekt des Wandels. Die Erkenntnis, dass alles in ständiger Veränderung ist, hat meine spirituelle Praxis und meinen Blick auf das Leben nachhaltig geprägt. Nichts bleibt so, wie es ist – weder die besonders schönen Momente, was sie umso kostbarer macht, noch die schmerzhaften Phasen, was sie letztlich erträglicher werden lassen. Dieses Verständnis hat mir geholfen, weniger festzuhalten und mehr zu vertrauen. Gerade in schwierigen Zeiten schenkt mir die Gewissheit der Vergänglichkeit inneren Halt und wirkt sich spürbar auf mein körperliches Wohlbefinden aus: Anspannung löst sich, Widerstand wird weicher, und es entsteht Raum für Heilung.
Darüber hinaus fördert Spiritualität eine positive Lebenseinstellung, ohne die Realität auszublenden. Yoga lehrt keine naive Positivität, sondern eine bewusste Ausrichtung des Geistes. Gedanken formen unsere Wahrnehmung – und unsere Wahrnehmung beeinflusst unseren Körper. Dankbarkeit, Mitgefühl und Vertrauen sind Qualitäten, die im Yoga kultiviert werden und nachweislich das Wohlbefinden steigern. In meinem eigenen Alltag spüre ich, wie sich diese innere Haltung auf mein Energielevel, meine Verdauung und meine Schlafqualität auswirkt.
Zusätzlich ist ein oft unterschätzter Aspekt spiritueller Praxis: die Gemeinschaft. Yoga wird traditionell in Beziehung weitergegeben – von Lehrer:innen zu Schüler:innen, in Gruppen, in geteilten Räumen. Diese Gemeinschaft schafft Verbundenheit und Halt. Das Gefühl, mit den großen Fragen des Lebens nicht allein zu sein, wirkt stärkend und gesundheitsfördernd. Soziale Verbundenheit ist ein wesentlicher Faktor für körperliche Gesundheit und seelische Stabilität.
Für mich ist Spiritualität – insbesondere durch Yoga – eine Einladung, mich mit den Themen auseinanderzusetzen, die Menschen tief im Inneren bewegen: Sinn, Vergänglichkeit, Verbundenheit und Bewusstsein. Diese Auseinandersetzung ist kein Luxus, sondern eine Grundlage für ein ganzheitlich gesundes Leben. Wenn wir diese inneren Ebenen ignorieren, meldet sich der Körper oft früher oder später. Es fehlt einfach ein wichtiger Aspekt unseres Seins. Wenn wir ihnen Raum geben, entsteht Klarheit, Ausrichtung und eine tiefe Form von Gesundheit.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Spiritualität hat einen nachhaltigen Einfluss auf die körperliche Gesundheit. Yoga und seine Philosophie machen diesen Zusammenhang erfahrbar – nicht theoretisch, sondern ganz praktisch. Indem Spiritualität uns daran erinnert, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind, hilft sie uns, bewusster mit unserem Körper umzugehen und ein Leben zu führen, das uns auf allen Ebenen nährt.
Inhaberin der Ganesha Yoga Lounge, Yogalehrerin und Autorin
Dir fehlt die Perspektive von...
Our energy ‘Qi’ is the base of our life and health, and the central substance of life in the whole universe.
What influence does spirituality have on physical health?
Here is a two and a half thousand-year-old passage from The Yellow Emperor’s Book of Internal Medicine:
Be Relaxed, calm and natural
If you are living according to the last principle, your pure Qi will continually flow in abundance and with vigour.
Mind, Shen or spirit is in a harmonious state and abiding inward, rather than being orderless, scattered and directed outward.
Where can illness come from?
Notes - life’s problems are also a form of illness.
The passage refers to the internal state of a person and suggests that if it is good, then that translates to good physical health, is it true? In short, as a Qigong teacher involved with helping people with their problems for the last 20 years, I believe yes, it is true. Though nothing is absolute, there are so many factors involved in the health and life story of a person.
I can say that our energy Qi is the base of our life and health, and the central substance of life in the whole universe. What is Qi? .. it is three main things.. energy, material, information. The main influence on our own Qi is ourselves. The central factor determining the state of our Qi, is our own consciousness and the state of our heart. The activities of our consciousness and heart create information which directly influences our Qi and gives our Qi qualities. We can simple say.. positive information provides for positive outcomes and negative information provides for negative outcomes.
Our consciousness operates through patterns which are largely fixed and hidden; therefore, it is the nature of these patterns that inform not only the quality of our Qi, but the quality of our entire existence.
At this stage of our individual and collective evolution as human beings, our patterns have gone beyond only survival instinct yet they are still not highly evolved and this is why there is still conflict in humanity and why there exists internal `health damaging´ conflict within a person. There are still patterns of competitiveness, self-centredness, polarised thinking, greed, and stubbornness, to name a few. It is complex yet quite simple to understand..
Improve the patterns so they reflect the laws of nature and the best human qualities and best of human nature. There are laws. They are natural. When we humans break the laws, we suffer the consequences. The main cause of problems and conflicts is ignorance. Ignorance about what? The nature of patterns.. that they exist, that they run life, that they need changing and replacing to reflect wisdom and the highest human qualities. That they are in accordance with universal natural laws.
So, in referring to the question.. What influence does spirituality have on physical health? We have to ask, what is spirituality? and .. can spirituality bring positive change to physical health and bring psychological stability?
A definition of spirituality can be.. the pursuit of and connection to a deeper meaning of life and a notion/feeling that we are a part of something great or greater.
Modern human beings have always been exploring this spirituality, out of natural curiosity, natural expression, and also for seeking support. There has been much progress, discovery and positivity from this pursuit and there has been a mix of patterns also. Ignorance is still present and this is normal because everything is changing and evolving.
Yet ignorance is still causing much pain and suffering on an international and personal level because the damaging patterns are still there, working under the surface.. and close to the surface.
Our hope for the health of our own life and the life of the collective lies in the clearing of the ignorance that has been talked about here, and creating and living patterns that reflect health, realisation, and wisdom.
This short text could provide some more clarity on the role that spirituality plays in individual physical health, yet it is just a prelude..
Phil Johns
Ren Xue and Yuan Qigong teacher.
www.institute-for-compassion.de
Institute for Compassion - Ren Xue and Yuan Qigong teacher
Angefragte Experten
Dr. André Peter
Angefragt am 24.11.2025
Prof. Dr. Inken Prohl
Angefragt am 21.07.2025
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)
Angefragt am 14.07.2025
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